Der letzte Bissen – 13 Aspekte der Henkers­mahlzeit garniert mit schmack­haften Rezepten

Die Autoren spüren dem zeitlosen Phänomen des letzten Essens nach und versuchen, sich den sozialen Ritualen sowie den Vorlieben der Verurteilten kunst-, ja fast schon lustvoll zu nähern.

Der letzte Bissen – 13 Aspekte der Henkers­mahlzeit garniert mit schmack­haften Rezepten

Der letzte Bissen – 13 Aspekte der Henkers­mahlzeit garniert mit schmack­haften Rezepten 2500 1359 Gärtner • Hoffmann • Jone

Die Henkersmahlzeit stellt einen absonderlichen Ritus menschlichen Verhaltens dar: Aus einem bestimmten und vermeintlich gerechtfertigten Grund soll jemandem das Leben genommen werden. Vor der Hinrichtung wird dem Verurteilten aber ein letzter Wunsch gewährt: sich den Wanst nach Lust und Laune vollzuhauen. Warum diese Gunst, wenn im Anschluss die Lebenslichter ausgeblasen werden?

1 — Der Henker • Josef Lang

Steak mit Bohnen
Der Henker • Josef Lang
Josef Lang

Josef Lang war ein Star: Wo der letzte kaiserlich-königliche Scharfrichter Österreichs seine Arbeit verrichtete, sammelten sich die Menschen nicht nur, um den letzten Hauch des Verurteilten mitzuerleben, sondern in besonderem Maße auch wegen des beliebten und gesellschaftlich anerkannten Henkers selbst. Damit verkörperte Lang ein im Vergleich zu den vorhergehenden Jahrhunderten deutlich gewandeltes Bild seines Berufs.

Im europäischen Hochmittelalter wurden Todesstrafen noch von den Richtern oder Anklägern selbst ausgeführt. Erst die Entwicklung eines juristischen Verständnisses der Trennung von Rechtsprechung und Vollzug im 12. und 13. Jahrhundert brachte die Scharfrichterei als eigenständigen Beruf hervor.

Henker waren von Anfang an am Rande der Gesellschaft angesiedelt. Sicherlich, weil die ersten hauptamtlichen Henker begnadigte Schwerverbrecher waren, hauptsächlich aber wegen ihres alltäglichen Kontakts mit dem Tod. Durch die Art ihrer Arbeit in Zeiten ausufernden Aberglaubens wurden sie zu einer Kaste, der ein öffentlicher Kontakt zur restlichen Gesellschaft versagt blieb. Henker wurden wie Aussätzige behandelt, ihre Berührung und der Umgang mit ihnen galt als unrein und sie mussten vielfach außerhalb der Stadtmauern leben. Ihren Kindern blieb die Ausübung anderer Gewerbe oder das Heiraten außerhalb ihrer Kaste versagt. So entwickelten sich über die Jahrhunderte traditionsreiche und anverwandtschaftlich stark verwobene Henkersdynastien.

Neben der Hinrichtung selbst waren Henker im Rahmen von Gerichtsverfahren für Folterungen zur Erzwingung von Geständnissen verantwortlich sowie für den Vollzug von Körperstrafen und Ehrenstrafen wie Pranger, Lästerstein, Halsgeige oder Schandkorb. Anhand eines Auszugs aus der Honorartabelle eines Darmstädter Scharfrichters aus dem 15. Jahrhundert lässt sich neben dem Verdienst auch die Arbeitsplatzbeschreibung ablesen:

  • Den Maleficanten mit siedendem Öl begießen – 24 Gulden
  • Einen Lebendigen vierteilen – 15 Gulden 30 Kreuzer
  • Eine Person mit dem Schwerte hinrichten – 10 Gulden
  • Einen Lebendigen zu vier Teilen zerreißen – 18 Gulden
  • Einen Delinquenten hängen – 10 Gulden
  • Den Körper vergraben – 1 Gulden
  • Eine Hexe lebendig verbrennen – 14 Gulden
  • Einen spanischen Stiefel anlegen – 2 Gulden 30 Kreuzer
  • Einer Person ein Halseisen anlegen – 1 Gulden 30 Kreuzer
  • Den Galgen auf den Rücken, die Stirn oder die Backen brennen – 5 Gulden
  • Einer Person Nasen und Ohren abschneiden – 5 Gulden
  • Eine Person Landes und Ortes verweisen – 1 Gulden 30 Kreuzer

Zuzüglich zu den Tarifen für die einzelnen Arbeiten erhielt der entsprechende Henker noch ein jährliches Grundgehalt, das bei etwa 50 Gulden gelegen haben dürfte.

Um das Gehaltsniveau dieses Beispiels einschätzen zu können: Eine Kuh kostete damals knapp 10 Gulden, ein kleines Bauerngehöft gab es für etwa 250 Gulden und ein Paar Schuhe schlugen mit 2 bis 3 Groschen zu Buche (1 Gulden = 24 Groschen = 60 Kreuzer). Kein schlechter Lohn, könnte man jetzt leichtfertig vor dem Hintergrund meinen, dass in unserer Vorstellung Mittelalter und frühe Neuzeit aus einer endlosen Aneinanderreihung von Folter, Hexenverbrennungen und Hinrichtungen bestehen. Ganz so war es aber nicht. Stellten die Entlohnungen für die einzelnen Tätigkeiten auch hübsche Summen dar, müssen wir uns vor Augen führen, dass ein Henker im Schnitt keine zehn Mal im Jahr seinem öffentlichen Amte nachgehen musste, und immer wieder über Jahre hinweg keine für ihn lukrativen Todesstrafen ausgesprochen und somit ausgeführt wurden. Um also eine Vollauslastung zu erreichen, wurden Henker Generalunternehmer für vielfältige verpönte oder geächtete Aufgaben: Sie waren z. B. oftmals noch als Abdecker tätig, kümmerten sich um die Reinigung von Kloaken, die Entsorgung von Selbstmördern und beaufsichtigten Huren.

Henker lebten aber auch gefährlich, zumindest, wenn sie Dilettanten waren. Es gibt viele Berichte von missglückten Hinrichtungen, bei denen dem Henker Versagen zugeschrieben wurde. Im besten Falle wurde eine erfolglos durchgeführte Hinrichtung als Gottesurteil verstanden und der Verurteilte durfte am Leben bleiben. Im schlimmeren Falle knöpfte sich der Pöbel den Henker vor und liquidierte ihn. Wenn der Pöbel die schlechte Leistung nicht quittierte, dann stellte der Verurteilte möglicherweise noch eine Gefahr dar. So berichtet die Legende von einer fehlgeschlagenen Hinrichtung im mittelalterlichen Basel, bei der ein Dieb überlebte. Dieser suchte im Anschluss das Haus des Henkers auf und erschlug ihn.

Von Henkern wurde besonderes Geschick erwartet, das anhand eines aus Lübeck berichteten Auswahlverfahrens deutlich wird: Der Stadtrat hatte die Stelle des Scharfrichters ausgeschrieben und veranstaltete dazu einen Wettbewerb. Es blieben drei Finalisten übrig. Der erste durchtrennte einem Pferdedieb durch einen schnellen Schlag den Hals so, dass der Kopf darauf stehen blieb und nur ein dünner streifen Blut signalisierte, wo der Schlag entlanggeführt wurde. Der zweite köpfte zwei Verurteilte mit einem Schlag. Der dritte legte einem Delinquenten zwei Reifen um den Hals und platzierte dazwischen eine Erbse. Dann holte er zu einem wuchtigen Schlag aus, bei dem er nicht nur den Hals des Diebes, sondern auch die Erbse genau in der Mitte durchtrennte. Ein Henker musste also einiges auf der Mütze haben, um einen Job zu bekommen.

Durch den Umgang mit menschlichen Körpern verfügten Henker in aller Regel über sehr gute medizinische und anatomische Kenntnisse. So war es z. B. die Aufgabe des Henkers, Verstümmelungsstrafen wie Amputationen so auszuführen, dass die Opfer nicht an ihnen starben. Auch musste er beim Freispruch eines gefolterten Angeklagten diesen wiederherstellen. Dementsprechend wurden Henker gerne als ärztliche Helfer, insbesondere für chirurgische Eingriffe, herangezogen. Dies geschah wegen ihrer gesellschaftlichen Stellung natürlich nur verstohlen und zumeist in der Nacht, sicherte ihnen aber ein willkommenes zusätzliches Einkommen. Als sich im Zuge der Aufklärung der Strafvollzug deutlich humanisierte und Folter und Hinrichtungen abnahmen, wanderten viele Henker in medizinische Berufe wie Zahnreißer, Wundarzt, Chirurg oder Bader ab.

Eine weitere Einnahmequelle bescherte den Henkern der Aberglaube. Zwar sorgte er für die soziale Ächtung, nutzte ihnen aber dafür finanziell in erheblichem Maße: Das Gehirn eines Hingerichteten wurde als Heilmittel gegen Tollwut gesehen; die Haut eines Hingerichteten sollte gegen Gicht helfen; die Schamhaare eines Hingerichteten am Unterleib getragen, sollten einer Schwangerschaft förderlich sein; Spieler mit dem Daumen eines Diebes in der Tasche sollten nicht verlieren können. Um die positive und beschützende Wirkung von Körperteilen von Gerichteten rankten sich also unzählige Vorstellungen, die den an der Quelle sitzenden Henkern einen schwunghaften Handel mit Menschensalben, Körperteilen, aber auch Galgenstricken und Kleiderresten ermöglichten.

Als das Zeitalter der Aufklärung im 17. und 18. Jahrhundert für viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durch die Infragestellung starrer und überholter Vorstellungen einen Wandel hin zu Vernunft und Humanismus brachte, löste sich der Henkersstand als feste Kaste auf und Henkern und ihren Kindern wurde der Zugang zu anderen Berufen geöffnet. Der Dichter Heinrich Heine rühmte sich der Liebelei mit einer schönen Henkerstochter, die er nicht nur körperlich begehrte, sondern im Kontakt zu ihr auch einen Akt des Ungehorsams gegen Vorurteile und soziale Grenzen sah.

Wie bereits erwähnt, wurden die Henker durch die Änderungen im Strafvollzug zu großen Teilen entbehrlich und nur wenige der ursprünglichen Scharfrichter behielten ihr Amt. Zwar erlangte der Beruf nie (mit wenigen Ausnahmen) ein hohes Ansehen, aber der Henker verlor seine Stellung als unberührbarer Außenseiter und fand Anerkennung als Spezialist.

Der berühmteste deutsche Scharfrichter war Johann Reichhart (1893–1972). Während seiner Amtszeit in der Weimarer Republik und im Dritten Reich werden ihm über 3.000 Hinrichtungen zugeschrieben, wodurch er den Hinrichtungsrekord aller Zeiten hält. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er von den Alliierten weiterbeschäftigt, in deren Auftrag er 156 Nazigrößen an den Galgen knüpfte.

Im Gegensatz zu Reichhart, der einer zweihundert Jahre alten Scharfrichtersippe entstammte, war Josef Lang (1855–1925) ein Quereinsteiger. Lang absolvierte erst eine Ausbildung als Tischler und machte sich dann mit einem kleinen Kaffeehaus als Gastronom selbstständig. Hier lernte Lang den amtierenden Wiener Scharfrichter Karl Sellinger kennen. „Aus Sport, ohne Bezahlung“, so Lang, durfte er diesem bei Hinrichtungen assistieren. Als Sellinger starb, wurde der sportliche Gehilfe im Jahr 1900 zum Henker von Wien ernannt und führte insgesamt 39 Hinrichtungen durch.

Lang zeichnete sich als Formalist aus, dessen Streben es war, den Leidensweg der Hinrichtungsopfer möglichst kurz zu halten. Er tüftelte seine Methoden in gefährlichen Selbstversuchen aus und behauptete, seine Strangulation verursache keine Schmerzen, dafür aber „angenehme Gefühle“. Als einer von wenigen Henkern schaffte Lang es zu hohem gesellschaftlichen Ansehen. Er wurde bei seinen Hinrichtungen gefeiert, war ein legendärer Frauenheld und gern gesehener Gast bei Abendgesellschaften, die er mit seinen Anekdoten gut zu unterhalten vermochte.

Bei Abschaffung der Todesstrafe in Österreich 1918 ging Josef Lang in den Ruhestand und verstarb 1925. Bei seiner Beerdigung gaben ihm über zehntausend Wiener das letzte Geleit.

Hauptberufliche Scharfrichter gibt es heute kaum noch, sie sind zumeist in islamischen Ländern zu finden. Bereits seit dem Zweiten Weltkrieg wurden Hinrichtungen vermehrt durch „nebenberufliche“ und für die Gesellschaft anonyme Henker durchgeführt. Wir können also von einer Anonymisierung der Todesstrafe sprechen.

Unter dem Begriff der Henkersmahlzeit verstehen wir heute das letzte Mahl, das sich ein zum Tode Verurteilter vor seiner Hinrichtung wünschen darf. Zurückzuführen ist er aber auf den Henker selbst. Ursprünglich bezeichnete die Henkersmahlzeit den Lohn des Henkers für seine Arbeit.

Steak mit Bohnen

Steak mit geriebenen Bohnen

    • 500 g weiße getrocknete Bohnen
    • 1 mittelgroße Zwiebel
    • 400 g durchwachsenen Speck
    • Salz, Pfeffer
    • 1 Gemüsezwiebel
    • 2 EL Sonnenblumenöl
    • 1 TL edelsüßes Paprikapulver
    • 800 g Rumpsteak (in 4 Scheiben geschnitten)
    • Salz, Pfeffer

    Nützliche Hilfsmittel
    Fleischwolf oder Schneidestab eines Handmixers

  • Die Bohnen müssen am Vorabend eingeweicht werden. Allerdings eignen sich auch die schon fertig eingemachten Bohnen im Glas aus dem Supermarkt sehr gut. Man erspart sich das Einweichen und die Kochzeit verringert sich um mindestens 1 Stunde. Zu dem Zwiebel-Paprika-Gemisch kann auch durchwachsener Speck hinzugetan werden.

    1. Bohnen über Nacht in Wasser einweichen. Zwiebel pellen, fein würfeln. Speck in kleine Würfel schneiden. 200 g Speck zu den eingeweichten Bohnen in einen Topf geben und mit Wasser bedecken. Bei mittlerer Hitze ca. 90 Minuten weich kochen.
    2. Das Bohnengemisch durch den Fleischwolf drehen oder mit dem Schneidestab eines Handmixers zu einer Paste verarbeiten. Mit Salz würzen.
    3. Gemüsezwiebel pellen und fein würfeln. Öl in der Pfanne erhitzen, den restlichen Speck und 5 Minuten später die Zwiebel dazugeben und anbraten. Mit Paprikapulver bestreuen, gut vermischen, vom Herd nehmen.
    4. Rumpsteak ein wenig platt klopfen, in einer Pfanne von jeder Seite jeweils 2–3 Minuten (medium) anbraten.
    5. Rumpsteak und Bohnen auf Teller verteilen, mit Zwiebel-Speck-Masse bestreuen und nach Geschmack mit Salz und Pfeffer würzen.

2 — Richter, Schöffen & Gehilfen

Schweinesülze
Üppiges Mahl für Richter, Schöffen & Gehilfen

Gaumengenüsse waren lange Zeit nicht nur dem Hingerichteten gegönnt. Die gesamte Gerichtsbarkeit nutzte die Gelegenheit, sich bei einer Hinrichtung kulinarisch zu verwöhnen. Auch für Stadtgranden, Pfaffen oder den Verantwortlichen der Gerichtsbarkeit waren ausgelassene Gelage nicht unbedingt an der Tagesordnung. Eine Hinrichtung bot eine gute Gelegenheit, sich kulinarisch zu verwöhnen.

Zwischen Urteil und Vollstreckung lag in aller Regel ein Zeitraum von drei Tagen. Diese wurden oftmals von Richtern und Schöffen nicht dazu genutzt, sich zu Hause die Zeit mit Frau und Kindern zu vertreiben, sondern ordentlich mit Wein, Bier und opulentem Essen wahlweise der eigenen Urteilskraft oder dem Hingerichteten zu gedenken.

Gemeinsam mehrere Tage zu feiern diente auch der Verteilung der Schuld am Urteil und der Vollstreckung. Durch die gemeinschaftliche Begleitung der Vorbereitungen zur Hinrichtung lag die Verantwortung nichtmehr bei einer Person, sondern lastete auf den Schultern aller Beteiligten.

Die Hinrichtenden scheuten keine Kosten, um sich selbst feinste Happen zuzuführen. Was für ein Hinrichtungsopfer gut war, sollte für einen selbst nur billig sein. Zulangen war die Devise, ausgelassen feiern und sicherlich durfte noch die eine oder andere Dirne ihre feinen oder rustikalen Dienste verrichten. Eine Hinrichtung war schließlich nervenaufreibend und kein Vergnügen, drum galt es, eines draus zu machen.

Die Gelage konnten dabei so derbe Formen annehmen, dass sie zu einem erheblichen Kostenfaktor im städtischen Etat wurden, und wenn Todesurteile gerade Konjunktur hatten, den öffentlichen Haushalt sogar an den Rand des Ruins trieben. Dies war auch der Grund, weshalb irgendwann die Speisung der Richter und der sonstigen Justizgehilfen abgeschafft oder drastisch reduziert wurde.

Schweinesülze
Schweinesülze
Gebratene Fasanenbrust auf Sauce Bérnaise
Gebratene Fasanenbrust auf Sauce Bérnaise
Gebackener Camembert auf Pfifferlingen
Gebackener Camembert auf Pfifferlingen

Schweinesülze

    • 500 g Schweineschädel
    • 2 Schweinekrallen
    • 2 Schweineohren
    • 2 Schweineschwänze
    • 1 Schweinehaxe
    • 2 EL Weißweinessig
    • 1 Möhre
    • 3 Lorbeerblätter
    • 1 TL Pfefferkörner
    • Salz
    • 12–16 Knoblauchzehen (jede Schüssel 2 Zehen)
    • 1 TL edelsüßes Paprikapulver
    • Pfeffer

    Nützliche Hilfsmittel
    Sehr großes Gefäß, sauberes Baumwolltuch

  • Statt Schädel kann auch Eisbein für die Sülze verwendet werden.

    1. Das gesamte Fleisch gründlich waschen. In ein großes Gefäß geben, 4 Liter kaltes Wasser darübergießen, Essig zufügen und bei schwacher Hitze zum Kochen bringen.
    2. Möhre schälen, mit Lorbeerblättern und Pfefferkörnern zum Fleisch geben. Bei schwacher Hitze ca. 3 Stunden lang kochen, bis das Fleisch weich ist. Mit Salz würzen.
    3. Fleisch herausnehmen, von Knochen befreien und klein schneiden, zur Seite stellen. Die Fleischbrühe abkühlen lassen. Das Fett, das sich an der Oberfläche der Brühe absondert, vorsichtig abheben, Brühe erneut zum Kochen bringen, bis die Flüssigkeit zur Hälfte reduziert ist.
    4. Knoblauch pellen und fein hacken. Auf Suppentellern verteilen. Fleisch darauflegen. Ein dichtes Baumwolltuch in ein Sieb geben, die heiße Brühe durch das Tuch-Sieb über den Knoblauch und das Fleisch gießen, erkalten lassen und über Nacht in den Kühlschrank stellen. Mit Paprikapulver und Pfeffer bestreuen.

Die weiteren Rezepte finden Sie im Buch (Info).

3 — Die Klassische • Hugo Schenk

Kräuterdorade aus dem Ofen
Hugo Schenk
Hugo Schenk

Klassischerweise stellen wir uns eine Henkersmahlzeit so vor: Ein zum Tode verurteilter Delinquent darf sich kurz vor der Hinrichtung nach Lust und Laune die Plauze vollhauen, seine letzten kulinarischen Wünsche werden ihm erfüllt und er kann gut gesättigt ins Jenseits befördert werden. Die Form der völlig frei wählbaren Henkersmahlzeit, möglichst auch noch ohne Rücksicht auf Aufwand und Kosten, war weniger verbreitet, als wir uns das vorstellen. Oftmals unterlag sie einem durchritualisierten Ablauf, bei dem die Mittel den Zweck zu erfüllen hatten. Der Zweck war immer, den Verurteilten möglichst ruhig zu stellen.

Nichts ärgert die Exekutive mehr, als jammernde, winselnde, pöbelnde oder gar drohende Hinrichtungsopfer auf dem Weg zum Schafott. Warum eigentlich? Immerhin war man sich einig, dass da jemand Fehltritte begangen hat, die so weit außerhalb der gesellschaftlichen Regeln lagen, dass diese Person aus der Gesellschaft nachhaltig zu entfernen war. Im Sinne der Rache und Ahndung des Vergehens wäre es auch durchaus logisch, dem Verurteilten vor dem Tod noch die eine oder andere verdiente Qual zuzumuten. Aber nein, die Hinrichtung sollte möglichst harmonisch ablaufen, selbst wenn der Delinquent vorher noch nach allen Regeln der Kunst gefoltert wurde. Der Grund dafür findet sich im Aberglauben. Zwar sieht z. B. die christliche Religion keine Wiedergänger oder Geister in ihrer Glaubenslehre vor, was dem Glaubensvolk aber seit jeher recht gleichgültig war. Gerade im Mittelalter und der frühen bis mittleren Neuzeit war der Glaube an Geister weit verbreitet. Und einem amtlichen Mörder oder sonstigen schlimmen Gesellen wollte keiner nach dem Tode wieder begegnen. Dementsprechend galt es auf zivilisierte Art Abschied zu nehmen, sich mit dem Hinrichtungsopfer zu versöhnen, damit es nicht auf die Idee käme, nach dem Tode ebenfalls noch mal Rache zu nehmen. Nähere Ausführungen dazu folgen in den kommenden Kapiteln.

Frei gewählte Henkersmahlzeiten sind historisch gar nicht so spektakulär, wie wir vermuten. Einige langten ordentlich zu, die Mehrheit jedoch begnügte sich mit eher normalen und gängigen Mahlzeiten. Das kann natürlich daran gelegen haben, dass im Angesicht des Todes kulinarische Bedürfnisse anderen verständlichen Sorgen und Gedanken weichen, die einer Nahrungszufuhr eher entgegenstehen. Oder man isst, was man ist: Da die meisten Hinrichtungsopfer aus eher ärmlichen Verhältnissen kamen, kann unterstellt werden, dass ihnen – aus mangelnder Kenntnis – die lukullische Phantasie fehlte.

Unser Beispiel Hugo Schenk (*1849; † 22. April 1884) war einer, der zulangte. Zum Tode wurde der Österreicher verurteilt, weil er vier Dienstmädchen ermordete. Schenk verdingte sich als Heiratsschwindler, was er vor dem Hintergrund, dass er keine reichen und kultivierten Damen beeindrucken konnte, eher unbeholfen getan haben muss. Es reichte gerade dafür, dass sich ihm Mägde anboten, von denen aber nicht viel Geld zu erschwindeln war. Es ist nicht überliefert, was er genau als Henkersmahlzeit zu sich nahm, es soll aber ein „opulentes Menü“ gewesen sein. Spektakulär war sein Wunsch nach dreißig Zigarren, die er noch vor der Hinrichtung durch den uns bereits bekannten Starhenker Josef Lang rauchte.

Panna Cotta mit karamellisierten Aprikosen
Panna Cotta mit karamellisierten Aprikosen
Lammstielkoteletts auf Mangold-Portulaksalat
Lammstielkoteletts auf Mangold-Portulaksalat
Kräuterdorade aus dem Ofen
Kräuterdorade aus dem Ofen

Kräuterdorade aus dem Ofen

    • 4 Doraden (à 300 g)
    • 4 Stiele Salbei
    • 4 Zweige Rosmarin
    • 2 Knoblauchzehen
    • Salz
    • Pfeffer aus der Mühle
    • 6 EL Olivenöl
    • 10 cl Wermuth
    • 1 Bund Basilikum
    • 200 g Schmand
    • 250 g Sahnejoghurt
    • 5 EL Sahne
    • 600 g Kartoffeln
    1. Backofen auf 200 °C (Umluft 180 °C) vorheizen. Doraden gründlich waschen und mit Haushaltspapier abtupfen. Salbei von den Stielen zupfen und je nach Größe in grobe Streifen schneiden. Rosmarinnadeln abzupfen und grob hacken. 2 EL für die Doraden verwenden, restlichen Rosmarin für die Kartoffeln beiseitestellen. Knoblauch fein hacken. Doraden auf ein Backblech legen. Mit Salz, Pfeffer, Salbei, 2 EL Rosmarin und Knoblauch einreiben. Mit 2 EL Olivenöl und Wermuth beträufeln.
    2. Basilikum waschen, trocken schütteln und fein schneiden. Schmand, Joghurt, Sahne, Salz und Basilikum verrühren.
    3. Doraden in den heißen Ofen schieben. Auf der mittleren Schiene ca. 20 bis 25 Minuten garen. Kartoffeln schälen und in 1,5 cm große Würfel schneiden. Restliches Olivenöl in einer beschichteten Pfanne erhitzen. Kartoffelwürfel darin rundherum ca. 15 Minuten goldbraun braten, dabei wenden. Nach 10 Minuten restliches Rosmarin und Salz hinzufügen.
    4. Dorade mit Kartoffeln und Basilikum-Dip servieren.

Die weiteren Rezepte finden Sie im Buch (Info).

4 — Die Ausgesetzten • Hänsel und Gretel

Knuspriges Kräuterbrot
Hänsel und Gretel
Hänsel und Gretel

Hänsel und Gretel werden auf Betreiben ihrer Stiefmutter im Wald ausgesetzt. Da Hänsel die Eltern belauscht hat, kennt er das Vorhaben und benutzt das mitgegebene Brot, um mit Krümelchen eine Spur nach Hause zu legen. Leider werden die Krümel von Vögeln aufgepickt und die Kinder finden den Heimweg nicht wieder. „Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?“ Pfefferkuchenhaus, Hexe, Mästung, „Die Hexe musste braten, die Kinder geh‘n nach Haus“. Das kennen wir alles. Ein klassisches Stiefmuttermärchen, wie es die Gebrüder Grimm niederschrieben. Diese uns bekannte Version steht so aber erst seit der 2. Auflage von 1819 in den Grimm‘schen „Kinder- und Hausmärchen“. In der Erstauflage von 1812 ist das Anfangsmotiv noch ein anderes und weist auf den Ursprung des Märchens: In der Urfassung werden die Kinder nicht auf Initiative einer bösen Stiefmutter, sondern der leiblichen Mutter aus dem Familienleben entfernt. In Ludwig Bechsteins „Deutschem Märchenbuch“ von 1856 sind die Eltern auch von Gewissensbissen geplagt, während die Kinder ihr Hexenabenteuer erleben.

Wie die meisten Märchen ist auch „Hänsel und Gretel“ eine mündlich überlieferte Geschichte, die von den Grimms oder von Bechstein nur nacherzählt und in Details verändert wurde. Basis des Märchens ist die Praxis der Aussetzung.

Bei der Aussetzung sind zwei grundsätzliche Beweggründe zu unterscheiden: zum einen natürlich die Strafe für kriminelle Handlungen, zum anderen die Entledigung unproduktiver Mitglieder in Not geratener Gemeinschaften wie Volk, Stamm oder Sippe. Auf Letzterem gründet das „Hänsel und Gretel“-Motiv. Es lässt sich bis in die antiken Gesellschaften zurückverfolgen, war aber auch im europäischen Mittelalter und in der Neuzeit noch verbreitet. Wenn die Nahrung nicht mehr für alle reichte, war die Aussetzung von Kindern und Alten ein Weg zur Lösung des Verpflegungsproblems.

Kinder wurden, wie Hänsel und Gretel, gerne im Wald ausgesetzt. Der Wald war unübersichtlich, Orientierungspunkte zum Zurückfinden waren gerade für Kinder gering. Ausgestattet mit einem kleinen Picknickkorb, wurden sie tief ins Gehölz gebracht und sich selbst überlassen.

Warum der Aufwand der Aussetzung mit einem Tagesmarsch in einen Wald, bei dem die sowieso schon karge Haushaltskammer noch geplündert wurde, statt die zur Last fallenden Gestalten gleich einen Kopf kürzer zu machen und hinterm Haus zu vergraben? Weil die Entscheidung zu einem solchen Schritt bestimmt keine leichte war. Zwar war die Aussetzung de facto ein Todesurteil, bot aber den Ausführenden noch eine Form der Gewissensberuhigung: Es bestand immerhin die theoretische Möglichkeit, dass die Ausgesetzten den Weg in die Zivilisation zurückfanden oder von jemandem gefunden wurden, der sie retten und ernähren konnte. Die Chance auf Rettung wurde durch die beigelegten Lebensmittel und die damit einhergehende Verlängerung des Überlebens erhöht. Natürlich nur, soweit nicht Wölfe oder anderes Getier den schutzlosen Opfern ein frühzeitiges Ende bereiteten.

Knuspriges Kräuterbrot
Knuspriges Kräuterbrot
Dips zum Brot
Dips zum Brot: Zimt-Frischkäse mit karamellisierten Walnüssen, Tomaten-Dip und marinierte Ziegenfrischkäsegugeln

Knuspriges Kräuterbrot

    • 50 g getrocknete Tomaten
    • 500 g Weizenvollkornmehl
    • 200 g Dinkelmehl
    • 1 geh. TL Salz
    • 30 g Hefe
    • 1 TL Zucker
    • 450 ml lauwarmes Wasser
    • 1 Bund Thymian
    • 3 Stiele Rosmarin
    • 4 Stiele Oregano
    • 2 Stiele Salbei
    • 1 Knoblauchzehe
    1. Frischkäse mit Quark, Sahne, Zimt und Bourbon-Vanillezucker verrühren.
    2. Walnüsse grob hacken und in einer beschichteten Pfanne rösten. Auf ein mit Backpapier belegtes Backblech verteilen. Zucker in der Pfanne langsam erhitzen, bis sich der Zucker gelöst hat und goldbraun karamellisiert ist. Pfanne von der Herdplatte ziehen und 1 Minute ruhen lassen. Zuckerkaramell mit einem Esslöffel streifenartig über die Walnüsse geben. Karamell fest werden lassen.
    3. Zimt-Frischkäse in eine Schale füllen und die karamellisierten Walnüsse darübergeben. Dazu geröstetes Brot servieren.

    Tipp: Der Zimt-Frischkäse schmeckt auch sehr gut und würzig, wenn Sie anstelle von Doppelrahmfrischkäse Ziegenfrischkäse verwenden.

Die weiteren Rezepte finden Sie im Buch (Info).

5 — Blaues Blut • Marie Antoinette

Chocolat Royal
Marie Antoinette
Marie Antoinette

Wenn Sie kein Brot haben, sollen sie eben Kuchen essen. Mit diesen sensiblen Worten soll Marie Antoinette (* 2. November 1755 in Wien; † 16. Oktober 1793 in Paris), Königin von Frankreich, einem Hinweis über die steigende Armut in der Bevölkerung entgegengetreten sein. Im Zuge der Französischen Revolution wurde sie 1793 wegen Hochverrats und Unzucht vor Gericht gestellt und einstimmig zum Tode durch die Guillotine verurteilt. Vor ihrer Hinrichtung gab sich die als verschwenderisch geltende Königin bescheiden: Sie begnügte sich mit einer Tasse Schokolade, einer sogenannten Mignonette.

Damit repräsentiert Marie Antoinette ein auf den ersten Blick überraschendes Phänomen: Adlige und Herrscher, aber auch insgesamt sehr wohlhabende Menschen, die zum Tode verurteilt wurden, nahmen eher eine karge oder gar keine Henkersmahlzeit zu sich. Eine Erklärung ist, dass die Hinrichtung von Herrschern in aller Regel im Zuge kriegerischer, revolutionärer und systemverändernder Prozesse stattfand und ihnen in dieser besonderen Lage gar keine Henkersmahlzeit gewährt wurde. Warum aber blieben sie, wenn sie Gelegenheit zu einer hatten, tendenziell bescheiden? Dies ist auf ihren allgemeinen Lebenswandel zurückzuführen. Die Opfer von Hinrichtungen waren zumeist Menschen aus armen Bevölkerungsschichten. Für diese war eine üppige Henkersmahlzeit eine besondere Angelegenheit, da sie vor ihrer Hinrichtung Gelegenheit hatten, in einer opulenten Form zu speisen, die ihnen in ihrem Leben versagt war. Sie war eindeutig ein kulinarischer Höhepunkt. Für eine herrschende Person, die ihr ganzes Leben in Völlerei verbracht hat, konnte eine Henkersmahlzeit somit keinen kulinarischen Höhepunkt bilden, nichts Besonderes oder Versöhnliches darstellen.

Chocolat Royal
Chocolat Royal
Cassistrüffel
Cassistrüffel

Chocolat Royal

    • ½ rote Chilischote
    • 4 Kardamomkapseln
    • 1 Bioorange
    • 80 g Zartbitterschokolade (mindestens 75 %)
    • 500 ml Milch
    • 3 EL Kakaopulver (ungesüßt)
    • ½ Zimtstange
    • 2 TL Zartbitterschokoladenperlen
    1. Chilischote entkernen und grob hacken. Kardamomkapseln in einem Mörser grob zerstoßen. Samen herauslösen. Schale von ¼ Orange dünn abschälen. Schokolade hacken.
    2. Milch in einen Topf geben. Kakaopulver unter Rühren zufügen. Kardamomsamen, Zimtstange, Orangenschale, Chili und Zartbitterschokolade zufügen und unter Rühren langsam aufkochen. Zugedeckt 5 Minuten ziehen lassen. Nochmals aufkochen.
    3. Kakao durch ein Sieb in Tassen gießen. Mit Schokoladenperlen sofort servieren. Nach Belieben halbsteif geschlagene Sahne dazu servieren.

Die weiteren Rezepte finden Sie im Buch (Info).

6 — Die Ahnungslosen • Rasputin

Zitronentorte
Rasputin
Rasputin

Eine Henkersmahlzeit muss nicht immer bewusst als solche eingenommen werden. Im weitesten Sinne bezeichnet sie das letzte Mahl eines zum Tode Verurteilten. Dieses Urteil muss dem Verurteilten nicht bekannt sein, wenn er z. B. das Opfer einer Vergiftung ist. So soll es bei Rasputin gewesen sein, allerdings schlug das Vorhaben, ihn zu vergiften, fehl.

Rasputin (* 10. Januar 1869 im westsibirischen Tiefland; † 17. Dezember 1916 in Sankt Petersburg) war eine der spektakulärsten Figuren der russischen Geschichte. Er war ein Wanderprediger von beeindruckender Erscheinung, der es schaffte, Einfluss am Zarenhof zu gewinnen. Dieser gründete auf seiner angeblichen Fähigkeit zur Geistheilung und seinem charismatischen Auftreten. Gerüchte über Sexorgien und alkoholische Exzesse brachten ihm jedoch auch viele Feindschaften ein und machten ihn zu einer umstrittenen öffentlichen Person. Vieles davon mag auch Verleumdung gewesen sein, wie z. B. das ihm nachgesagte Verhältnis zur Zarin.

1913 fing Rasputin an, sich in politische Angelegenheiten einzumischen. Obwohl das Militär und politische Gruppierungen auf einen Krieg gegen Österreich drängten, riet Rasputin: „Der Krieg ist eine schlechte Sache. […] Mögen die Deutschen und die Türken sich gegenseitig zerfleischen: Sie sind blind, denn es ist zu ihrem Unglück.“ Der Zar folgte dem Rat und legte weitere Kriegsbestrebungen zu den Akten. Dass sich der sonderbare Prediger dadurch nicht unbedingt Freunde machte, ist nachvollziehbar, die darauf einsetzende Serie an Attentaten auf ihn ebenso.

Die Attentate blieben vorerst erfolglos, Rasputin quittierte sie mit immer ausschweifenderem Lebensstil und zunehmenden Skandalen. Erst 1916 sollten die Bestrebungen, ihn zu eliminieren, von Erfolg gekrönt worden sein. Das Attentat vom 17. Dezember fand im Einvernehmen hoher Schichten der russischen Gesellschaft, politischer Gruppierungen, Teilen des Romanow-Clans bis hin zum britischen Geheimdienst statt. Der Plan war wohl ein offenes Geheimnis, selbst Rasputin wurde noch am selben Tag vorgewarnt.

Der Mord an Rasputin fand im Haus eines Verwandten des Zaren statt. Rasputin wurde ein mit Zyankali vergifteter Kuchen vorgesetzt, den er in Unmengen vertilgte. Verwunderlicherweise wollte er daran nicht sterben, was gut zu dem mystischen Ruf des Predigers passte. Der Grund war allerdings simpel: Die Süße des Kuchens neutralisierte die Wirkung des Giftes (merken Sie sich das, wenn Sie mal Zyankali zum Einsatz bringen wollen). Die irritierten Attentäter griffen dann zu effektiveren Mitteln: Sie schlugen Rasputin tot. Der Obduktionsbericht spricht von starken Blutergüssen und Quetschungen, besonders in der Magengegend und am Unterleib. Gesteigertes Augenmerk wurde auf die Hoden gelegt, diese sollen in erheblichem Maße demoliert gewesen sein. In dem Autopsiebericht selbst sind wiederum keine Spuren von Zyankali verzeichnet, wodurch vermutet wird, die Tortengeschichte sei eine Legende.

Vlad III. Drăculea
Lud Ahnungslose gerne zum Mahl mit Pfahl: Vlad III. Drăculea

Bereits Todgeweihte in aller Ahnungslosigkeit nochmal ordentlich speisen zu lassen, war auch ein Steckenpferd von Vlad III. Drăculea (* Dezember 1431; † Dezember 1476), genannt der Pfähler. Vlad war ein Woiwode der Walachei, eines Fürstentums auf dem Boden des heutigen Rumänien. Er diente Bram Stoker als Vorbild für seinen transsylvanischen Vampir Dracula.

Die Herrschaft des Pfählers war von blutigen Hinrichtungen gekennzeichnet. Er ging gnadenlos und in höchster Brutalität gegen seine Gegner vor, sowohl außen- als auch innenpolitisch. Die effektvolle Ausführung war ihm ein großes Anliegen, da seine Brutalität nicht zwingend Ausdruck einer verwirrten Geisteshaltung, sondern einer gezielten und systematischen Abschreckung war. Mit großer Vorliebe bediente er sich dabei des bei den Türken gelernten Pfählens, das er exzessiv einsetzte. Beim Pfählen wurde dem Opfer ein ca. 4 Meter langer Pfahl durch den Anus einen halben Meter in den Körper geschoben und anschließend aufgestellt. (Dem homoerotisch veranlagten Bruder des Sonnenkönigs Ludwig XIV. wird übrigens der Satz zugesprochen „Das Pfählen ist die Todesstrafe, die am angenehmsten beginnt und am scheußlichsten endet“.) Der Pfahl war angespitzt, die Spitze jedoch abgerundet, wodurch sich der Pfahl an inneren Organen vorbeischob und nicht zum sofortigen Tod führte. Wer Pech hatte, lebte noch viele Stunden unter horrenden Qualen, während sich der Körper langsam durch sein Eigengewicht immer weiter über den Pfahl schob. Dass die mit zuckenden Menschenleibern geschmückten Pfähle anschaulich beim Betrachter Ruhe und Ordnung anmahnten, können wir uns vermutlich alle bestens vorstellen.

Vlad pfählte, was das Zeug hielt, und er tat es gleich in Massen. Wer ihm in die Quere kam, endete samt Familie und nahen bis entfernten Freunden und Bekannten am Pfahl. Eine beliebte Einleitung war die Einladung zu üppigen Mahlzeiten. So ließ Vlad eine Bojarenversammlung einberufen, die er im Laufe des Festessens der grundsätzlichen Illoyalität anprangerte, um anschließend den Saal von seiner Leibgarde besetzen und alle 500 Anwesenden pfählen zu lassen. Eine zweite Version der Geschichte besagt, er habe nur die Alten und Kinder gepfählt und die Kräftigen lediglich zur Zwangsarbeit verdammt. Das Land der getöteten Bojaren vergab er an Kleinadlige oder freie Bauern und baute sich so eine neue, ihm verpflichtete Adelsschicht auf.

Ebenfalls zu einem Gastmahl soll er Bettler, Lahme und Kranke geladen haben. Als diese allesamt die Frage, ob sie Sorgenfreiheit wünschten, bejahten, ließ er den Saal niederbrennen. Anschließend erklärte er den Vorgang als Maßnahme zur Abschaffung von Armut und Krankheit – indem er die Armen und Kranken abschaffte.

Nach der Verurteilung eines Zigeuners zum Tod am Galgen baten andere Zigeuner Vlad um Milderung des Urteils und beriefen sich auf einen Majestätsbrief von Kaiser Sigismund, demzufolge das Hängen von Zigeunern verboten sei. Diese Infragestellung seiner Souveränität endete damit, dass Vlad den verurteilten Zigeuner in einem Kessel kochen ließ, anschließend mussten ihn die Bittsteller mit Fleisch und Knochen vollständig verzehren. Selbstverständlich wurden sie im Anschluss gepfählt.

Selbst kirchliche Vertreter konnten sich vor ihm nicht sicher fühlen. Zwar unterstützte er die Kirche durch die Schenkung beachtlicher Ländereien und den Bau von Klöstern, erwartete aber im Gegenzug bedingungslose Unterstützung und Unterwerfung unter seine Regeln. Ebenso wenig wie Bettler mochte er Bettelmönche. Er sah sie als genauso unproduktiv und der Gesellschaft zur Last liegend und bedachte sie mit ähnlicher Vorgehensweise: Die Argumentation der Mönche, sie würden sich durch ihr ärmliches Leben den Zutritt zum Himmelreich verdienen, nahm er ernst und beförderte sie per Pfählung, natürlich ging dieser ein Festmahl voran, sofort in selbiges.

Für Vlad war ein Festbankett lediglich eine gute Gelegenheit, seine zukünftigen Opfer auf einem Fleck zusammenzubringen und sie durch gut gefüllte Mägen zu leichter Beute zu machen. Bei Giftmorden wiederum ist die kulinarische Vorgehensweise logischerweise das Mittel der Wahl. Besonders Frauen setzten gerne Gift ein, in aller Regel, um sich ihrer unliebsamen Ehemänner zu entledigen. So auch Gesche Gottfried (* 6. März 1785 in Bremen; † 21. April 1831 in Bremen), an der die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen vorgenommen wurde. Die Serienmörderin hatte 15 Menschen auf dem Gewissen, die sie allesamt mit Arsen vergiftet hatte. Sie selbst wünschte sich als letzten Bissen Kirschen und Johannisbeeren, die ihr jedoch verwehrt blieben, da das Obst im April nicht verfügbar war.

Zitronentorte

Zitronentorte

    • 9 Biozitronen
    • 350 g Zucker
    • 5 Eier (Kl. M)
    • 50 g gemahlene Mandeln
    • 20 g Mehl
    • ½ TL Backpulver
    • 4 Blatt weiße Gelatine
    • 250 ml hellen Traubensaft
    • 1 Pk. Vanillepuddingpulver
    • 40 g flüssige Butter
    • 600 ml Schlagsahne
    • 1 Beutel Sofort-Gelatine
    1. Backofen auf 180 °C (Umluft 160 °C) vorheizen. 2 Zitronen in sehr feine Scheiben schneiden. 100 g Zucker und 4 bis 5 EL Wasser aufkochen. Zitronenscheiben in 2 Portionen jeweils 4 bis 5 Minuten darin köcheln lassen. Zitronenscheiben abtropfen lassen und nebeneinander auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen. 1 Zitrone auspressen. Saft mit 5 EL gekochtem Zuckersud verrühren. 2 Eier trennen. Eiweiß steif schlagen, dann 40 g Zucker nach und nach einrieseln lassen. Weiterschlagen, bis die Eiweißmasse schön glänzend ist. Eigelbe mit 40 g Zucker weißcremig schlagen.
    2. Eigelbmasse auf die Eiweißmasse geben und kurz unterheben. Mandeln, Mehl und Backpulver mischen und über die Eimasse geben. Vorsichtig unterheben. Masse in eine am Boden mit Backpapier ausgelegte Springform (24 cm) füllen.
    3. Im vorgeheizten Backofen bei 180 °C (Umluft 160 °C) ca. 18 Minuten auf der mittleren Schiene backen. Der Mandelbiskuitboden sollte bei Fingerdruck federnd nachgeben. Auf einem Kuchengitter abkühlen lassen. Boden nach dem Backen mehrmals mit einem Holzstäbchen einstechen und mit dem Zitronensirup tränken.
    4. Gelatine in kaltem Wasser einweichen. 3 Eier trennen. Schale von Zitronen abreiben. Saft von 6 Zitronen auspressen (ca. 200 ml Saft). Zitronensaft, abgeriebene Zitronenschale, 200 ml Traubensaft und 150 g Zucker in einen Topf geben und aufkochen lassen. Puddingpulver mit 50 ml Traubensaft verrühren. Puddingpulver unter Rühren zufügen und einmal aufkochen lassen. Beiseitestellen. Eigelbe verrühren und mit der Butter unter die heiße Zitronenmasse rühren. Gelatine ausdrücken und zur Zitronenmasse geben. Im kalten Wasserbad unter Rühren lauwarm abkühlen lassen.
    5. Um den Mandelboden einen Tortenring legen. Zitronenmasse auf den Boden geben und mindestens 3 Stunden im Kühlschrank abkühlen lassen. Sahne in 2 Portionen halbsteif schlagen. Jeweils 1 EL Zucker und ½ Paket Sofort-Gelatine einrieseln lassen. Sahne steif schlagen. Den Tortenring lösen. Die Hälfte der Sahne auf die Torte geben. Mit einigen Zitronenscheiben belegen und die restliche Sahne darüber geben. Mit restlichen Zitronenscheiben belegen. Torte 30 Minuten kalt stellen. Mit einem sehr scharfen oder einem elektrischen Messer in Stücke schneiden.

7 — Die Knastfütterung • Margaretha Brand

Mediterrane Fischsuppe
Margaretha Brandt
Margaretha Brandt

Susanna Margaretha Brandt (* 8. Februar 1746 in Frankfurt am Main; † 14. Januar 1772 in Frankfurt am Main) war eine einfache Dienstmagd in der Frankfurter Gaststätte „Zum Einhorn“. Sie ließ sich von einem durchreisenden holländischen Goldschmied verführen, der wenige Tage später wieder verschwand. Margaretha blieb schwanger zurück, was sie zu verschleiern wusste. Lediglich ihre Wirtin erlangte kurz vor der Niederkunft Kenntnis des Schwangerschaftsumstandes. Am 1. August 1771 kam es zu einer Sturzgeburt in der Waschküche, bei der das Kind mit dem Kopf auf den Steinboden fiel und verstarb. Margaretha verscharrte den toten Knaben und ergriff die Flucht, da die Verheimlichung einer Schwangerschaft oder einer Geburt unter Strafe stand. Wenige Tage später wurde sie gefasst und wegen Mordes angeklagt. Am Leichnam des Kindes wurden Spuren gefunden, die vermuten ließen, dass das Kind nicht durch einen Unfall ums Leben gekommen war. Margaretha behauptete zuerst, die Blessuren und Kratzer am Kindsleibe seien bei dem Versuch entstanden, es aufzufangen, etwas später gab sie jedoch zu: „Herr Jesus, das ist mein Kind, ich habe Hand daran gelegt.“ Sie wurde des Mordes für schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt.

Der Prozess und das Todesurteil erregten in Frankfurt großes Aufsehen und spalteten die Bevölkerung. In seinem Plädoyer führte Margarethas Verteidiger einige mildernde Umstände an, die beim Urteil unberücksichtigt blieben: Ihre Verzweiflung und Verwirrtheit aufgrund der ungewollten Schwangerschaft, Bedenken, ob das Kind überhaupt lebend zur Welt gekommen sei, berechtigte Zweifel am Urteil der ärztlichen Gutachten und den Hinweis, dass das Kind sowieso einen Monat zu früh geboren und somit nicht lebensfähig gewesen wäre. Dies alles lies die Richter unbeeindruckt und Margaretha Brandt wurde als Kindsmörderin hingerichtet.

Der Prozess wurde auch genau vom Altmeister der deutschen Dichter und Denker, Johann Wolfgang von Goethe, aus nächster Nähe verfolgt. Margaretha Brandt diente ihm als Vorbild und Inspiration für die Figur des Gretchens aus Faust.

Für das harte Urteil bekam Margaretha Brandt jedoch ein üppiges letztes Mahl, das laut Prozessakten der Kaiserlichen Freien Reichsstadt Frankfurt/Main folgenden Umfang hatte: Gerstensuppe, Blaukraut, 3 Pfund Bratwürste, 10 Pfund Rindfleisch, 6 Pfund gebackene Karpfen, 12 Pfund gespickter Kalbsbraten, Konfekt, 2 Schwarzbrote, 8 ½ Maß Wein (Jahrgang 1748), 1 Glas Wasser.

Wer nun denkt, die junge Dame wollte noch mal richtig zulangen, sei eines Besseren belehrt: Sie trank nur das Glas Wasser. Den Rest überließ sie anwesenden Pfarrern, Gefängniswächtern und Mitinsassen.

Margaretha war kein Einzelfall. Oftmals nutzten Delinquenten die Gunst des letzten Bissens, um die gesamte Knastbelegschaft durchzufüttern. Warum dies geschah, bleibt in den Einzelfällen begründet. Die einen mögen im Angesichte der Hinrichtung keinen Happen runterbekommen haben, die anderen wollten einfach noch ein gemeinsames Fest feiern, und wiederum anderen dürften die zuständigen Wächter das Henkersmahl einfach ungefragt weggegessen haben.

Mediterrane Fischsuppe
Mediterrane Fischsuppe
Gedünsteter Karpfen in Frühlingszwiebelmantel
Gedünsteter Karpfen in Frühlingszwiebelmantel
Bourbonvanille-Fisch
Bourbonvanille-Fisch
Mini-Fischpizza
Mini-Fischpizza

Mediterrane Fischsuppe

    • 3 Schalotten
    • 1 Knoblauchzehe
    • 1 Bund Suppengrün
    • 500 g reife Tomaten
    • 4 EL Olivenöl
    • 800 ml Hummerfond
    • 300 ml Weißwein
    • 6 cl Ricard (Anislikör)
    • Meersalz
    • 1 TL Anissamen
    • Pfeffer
    • 4 Stiele Thymian
    • 2 rosé Doradenfilets (Kopf und Gräten mitgeben lassen)
    • 2 Wolfsbarschfilets (Kopf und Gräten mitgeben lassen)
    • 300 g rohe King Prawns (Riesengarnelenschwänze)
    1. Schalotten und Knoblauch schälen und würfeln. Suppengrün putzen, schälen und fein würfeln. Tomaten kreuzweise einschneiden, mit kochend heißem Wasser überbrühen und häuten. Anschließend fein würfeln.
    2. Olivenöl in einem Topf erhitzen. Schalotten, Knoblauch und Gemüse darin andünsten. Mit Hummerfond, Weißwein und Ricard ablöschen. Salz, grob zerstoßenen Anis, Pfeffer und Thymianstiele zufügen. Kopf und Gräten der Fische zufügen und zugedeckt 10 Minuten köcheln lassen.
    3. Tomatenwürfel zufügen und weitere 10 Minuten köcheln lassen. Fischfilets in grobe Stücke schneiden. Fischköpfe und Gräten der Fische aus dem Sud herausnehmen.
    4. Fischstücke und King Prawns zufügen und im siedenden Gemüsesud ca. 5 Minuten gar ziehen lassen. Dazu Aioli und knuspriges Baguette servieren.

Die weiteren Rezepte finden Sie im Buch (Info).

8 — Die Mästung

Feine Kalbfleischsuppe
Mästung

Ärgerlich: Da liegt ein Angeklagter womöglich monatelang im Gefängnis rum, bekommt kaum was zu essen, wird gefoltert und gepeinigt und sieht dann dementsprechend zermergelt aus. Kein guter Anblick, schließlich haben wir bereits erfahren, dass es ein Grundbedürfnis hinrichtender Gesellschaften war, die Hinrichtung versöhnlich zu gestalten. Da passte es nicht ins Bild, eine Halbleiche zum Schafott zu führen. Was tun? Vollstopfen natürlich und für die Hinrichtung fit machen.

In Augsburg z. B. begann das Henkersmahl vier Tage vor der Hinrichtung. Der Delinquent konnte und musste sich einer heillosen Völlerei hingeben, um wieder zu Kräften zu kommen und mit gesundem und frischem Antlitz zum Hinrichtungsort zu schreiten. Die Zugabe großer Mengen Alkohol am Tag der Hinrichtung trug zusätzlich zur Seligkeit des Malefikanten bei.

Liest man sich den einen oder anderen Mästungsplan durch, stellt sich die Frage, in welchen Magen das alles reingepasst haben soll. Von den Speisen hätten sich auch mehrköpfige Familen viele Tage zufriedenstellend ernähren können.

Vielleicht diente die Mästung auch dem Zweck, dem Verurteilten die Hinrichtung nach der ganzen Stopferei als Erlösung erscheinen zu lassen. Zumindest erweckt folgender Speiseplan einer Hinrichtung aus dem Jahre 1772 aus dem Augsburger Stadtarchiv den Eindruck:

  • Mittwoch / Mittags: Suppe, Rindfleisch, Kraut, Würstchen, Kälbchen, Vögelchen, Salat, Kaiserschmarrn. / Abends: Suppe, eingemachtes Lammfleisch. / Den ganzen Tag über: 1½ Maß Neckerwein.
  • Donnerstag / Morgens: Kaffee und Schmalzbrezen. / Mittags: Suppe, bayrische Rüben, Rindfleisch, Butternudeln, gebackener Fisch, Sülzwurst aus Schweinefleisch. / Abends: Suppe, Braten, Salat.
  • Freitag / Morgens: Kaffee und Schmalzbrezen. / Mittags: Suppe, Butterpastete mit Kalbfleisch, 1 gebratenes Huhn, Salat, Konfekt. / Abends: Bratkartoffeln und etwas Gebratenes. Den ganzen Tag über: Neckerwein.
  • Samstag / Morgens: Kaffee und Schmalzbrezen, gemästeter Hahn in Reis, 1 Wildvogel und Salat, 3 Buttertörtchen. / Den ganzen Tag über: Bier und Brot, 2 Maß Neckerwein. / Beim Ausführen zur Hinrichtung: 1 Maß Muskatwein.
Feine Kalbfleischsuppe

Feine Kalbfleischsuppe

    • 1 kleine Möhre
    • 1 Frühlingszwiebel
    • 200 g Tomaten
    • 150 g Kalbsfilet
    • 2 EL Olivenöl
    • 500 ml Kalbsfond
    • 3 cl Wermuth
    • Salz
    • Pfeffer aus der Mühle
    • 4 Stiele Kerbel
    1. Möhre schälen und sehr fein würfeln. Frühlingszwiebel putzen und in feine Streifen schneiden. Tomaten häuten, entkernen und sehr fein würfeln. Kalbsfilet in feine Streifen schneiden.
    2. Olivenöl erhitzen. Gemüse darin andünsten. Fleisch kurz mitdünsten. Mit Kalbsfond und Wermuth ablöschen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Zugedeckt ca. 8 Minuten gar ziehen lassen.
    3. Tomatenwürfel und Kerbel zufügen, nochmals kurz erhitzen und abschmecken. Dazu schmeckt frisches Landbrot oder knuspriges Baguette.

Die weiteren Rezepte finden Sie im Buch (Info).

Gebratene Rebhühnchen mit Mandel-Aprikosen-Dip
Gebratene Rebhühnchen mit Mandel-Aprikosen-Dip
Kleine Blätterteigpasteten mit schnellem Vitello Tonnato
Kleine Blätterteigpasteten mit schnellem Vitello Tonnato
Ricotta-Salbei-Nudeln
Ricotta-Salbei-Nudeln
Weiße Schokoladen-Moussetörtchen
Weiße Schokoladen-Moussetörtchen

9 — Die Limitierung • Clifford Boggess

Lamm-Käse-Burger
Clifford Boggess
Clifford Boggess

Eine interessante Feststellung ist, dass je direkter eine Hinrichtung vorgenommen wurde, desto üppiger die Henkersmahlzeit ausfiel. Wo noch ein Henker von Angesicht zu Angesicht mit einem Opfer stand, wo eine Hinrichtung noch öffentlich auf einem Marktplatz vollzogen wurde, da wurde in aller Regel auch kräftig aufgetischt. Bei Hinrichtungen, die eher hinter verschlossenen Türen abliefen oder bei der der Henker nicht mehr eindeutig zu ermitteln ist, nimmt die Bereitschaft ab, dem Verurteilten ausufernd kulinarische Wünsche zu erfüllen.

Nehmen wir die USA, wo die Todesstrafe immer noch praktiziert wird: Erstaunlicherweise wird die Todesstrafe noch als probates Mittel zur Ahndung von kapitalen Straftaten angesehen, es soll aber auch niemandem die Ausführung derselbigen Gewissensbisse verursachen. Getötet wird mit der Spritze, es drücken drei Personen gleichzeitig auf den Knopf, wessen Gift den Verurteilten erledigt, ist nicht ermittelbar. Alles prima. Wenn man nun nicht weiß, wer hier getötet hat, muss die Trennung auch nicht mehr besonders versöhnlich ablaufen. Daher ist das Budget einer Henkersmahlzeit in den USA limitiert worden. Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte es noch zum kurzen Spaß vor dem Ableben, die Gefängnisverwaltung durch spektakuläre Wünsche in den Wahnsinn zu treiben. Dieser Sport hielt sich, bis in den USA 1967 die Ausführung der Todesstrafe ausgesetzt wurde. Seit der Wiedereinführung 1976 weht ein anderer kulinarischer Wind: Höchstens 50 Dollar darf eine Henkersmahlzeit kosten. Und wenn der letzte Wunsch übrigens nicht mit den gerade in der Gefängnisküche verfügbaren Vorräten realisierbar ist, dann wird er auch nicht gewährt. Bei seit 1976 etwa 1.150 in den USA Hingerichteten hat sich die Budgetbegrenzung in der Haushaltskasse sicherlich positiv bemerkbar gemacht.

Auch hübsch: Eine letzte Zigarette oder ein ordentlicher Schluck Schnaps bleiben den Todgeweihten in den USA ebenfalls verwehrt. Das Zeug ist ja schließlich nicht gesund.

Entsprechend der vorherrschenden Limitierung weisen die Speisepläne der Delinquenten auch keine großen Besonderheiten auf und spiegeln die ganz normale Fast-Food-Kultur der Amerikaner wider. Bis auf einige Ausreißer, die auch bei ihrem letzten Mahl auf eine ausgewählte und gesunde Fitnesskost achten.

Ein Beispiel für ein klassisches US-Hinrichtungsmenü hat Clifford Boggess bestellt. Boggess wurde am 11. Juni 1998, seinem 33. Geburtstag, hingerichtet. Er tötete 1986 zwei Menschen bei Raubüberfällen und läuterte im Gefängnis zum feinsinnigen Maler und Dichter. Als Henkersmahlzeit verzehrte er zwei Cheeseburger, Salat, Pommes frites, eisgekühlte Pepsi, Chocolate-Brownies und einen Becher Eiscreme. Die Gefängnisküche spendierte noch ein Stück Geburtstagskuchen.

Lamm-Käse-Burger
Lamm-Käse-Burger
Chili-Pommes mit Kräutercreme
Chili-Pommes mit Kräutercreme
Walnuss-Brownies
Walnuss-Brownies

Lamm-Käse-Burger

    • etwas Thymian
    • 1 Bund Petersilie
    • 1 kleine Zwiebel
    • 2 TL Cumin
    • 250 g Lammhack
    • Salz
    • Pfeffer aus der Mühle
    • 1 geh. EL Magerquark
    • 200 g Manchego oder Pecorino
    • 4 Tomaten
    • 1 EL Öl
    • 4 Hamburger-Brötchen
    • Ketchup nach Belieben
    • Salatblätter (z. B. Portulak)
    1. Thymian und Petersilienblättchen von den Stielen zupfen und fein hacken, Zwiebel schälen und fein würfeln. Cumin im Mörser fein zerstoßen. Lammhack mit Kräutern, Zwiebelwürfeln, Cumin, Salz, Pfeffer und Quark verkneten. Aus dem Teig 4 runde, flache Frikadellen formen.
    2. Manchego fein hobeln. Tomatenstielansatz herausschneiden. Tomaten in Scheiben schneiden.
    3. Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen. Frikadellen rundherum 6 bis 8 Minuten bei mittlerer Hitze braten.
    4. Brötchen kurz toasten. Obere und untere Hälften mit Ketchup bestreichen. Untere Hälften mit Salat und etwas Käse belegen. Darauf die Lammfrikadellen, Tomatenscheiben, Käse und die obere Brötchenhälfte legen. Gleich servieren.

Die weiteren Rezepte finden Sie im Buch (Info).

10 — Die Einheitliche • Nürnberger Prozesse

1.000-jährige Würstchen
Nürnberger Prozesse

Die Nürnberger Prozesse bezeichnen die Prozesse, die von den siegreichen Allierten gegen Verantwortliche des Dritten Reiches geführt worden sind. Vornehmlich wird dabei der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vom 20. November 1945 bis 1. Oktober 1946 vor dem Internationalen Militärgerichtshof, bestückt mit Richtern aus den USA, der UdSSR, Großbritannien und Frankreich, verstanden. Diesem schlossen sich bis 1949 noch weitere zwölf Prozesse vor amerikanischen Militärgerichten in der US-Besatzungszone an.

Beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess waren wegen Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit insgesamt 24 nationalsozialistische Granden angeklagt. Zwölf von ihnen wurden zum Tode durch den Strang verurteilt, drei wurden freigesprochen und der Rest hatte mehr oder minder lange Haftstrafen zu verbüßen. Es mussten nur zehn Hinrichtungen vollzogen werden, da sich Hermann Göring nach der Urteilsverkündung selbst das Leben nahm und der in Abwesenheit verurteilte Martin Bormann verschollen war (und sowieso schon seit dem 2. Mai 1945 tot war, was sich jedoch erst im Jahre 1972 endgültig herausstellte).

Die Hinrichtungen führten Master Sergeant und Henker der 3. US-Armee John C. Woods mit seinem Henkerskollegen Joseph Malta durch. Die Hinrichtung hatte ihre Tücken, da die beiden Profis die Strangulationsseile falsch berechneten und somit nicht ein sofortiger Tod durch Genickbruch eintrat. Die Verurteilten erstickten langsam und qualvoll. Die Falltür des Galgens wurde ebenfalls zu klein gebaut, wodurch sich einige der Hingerichteten vor dem Eintritt in die ewigen Reichsgründe blutige Kopfverletzungen zuzogen.

Die Sorgfalt der Ausführung zeigt bereits, dass die üblichen Hinrichtungsgesetze hier nicht galten. So auch bei der Henkersmahlzeit: Sie wurde den Verurteilten einfach vorgesetzt, besondere Wünsche wurden nicht gewährt. Alle Veruteilten hatten sich mit Würstchen und Kartoffelsalat zu begnügen.

In den zwölf Folgeprozessen und vielen weiteren, z. B. den Dachauer Prozessen, wurden noch eine Vielzahl von Todesstrafen verhängt und ausgeführt. Allein der Henker Johann Reichhart, mit über 3.000 Hinrichtungen einsamer Rekordhalter und im Dritten Reich oberster Henker, beförderte in amerikanischem Auftrag nach dem Krieg noch über 150 Nazigrößen ins Jenseits.

Nürnberger mit Speck-Kartoffelsalat

1.000-jährige Würstchen

    • 750 g festkochende mittelgroße Kartoffeln
    • 120 g Bacon
    • 1 Bund Frühlingszwiebeln
    • 1 kleine grüne Gurke
    • 120 ml Gemüsebrühe
    • 6 EL Olivenöl
    • 4 EL Weißweinessig
    • 1 geh. TL Senf
    • Salz
    • Pfeffer aus der Mühle
    • 1 Prise Zucker
    • 12 Nürnberger Würstchen
    • 2 EL Öl
    1. Kartoffeln gründlich waschen und mit Schale in gesalzenem Wasser 22 bis 25 Minuten garen. Kartoffeln kalt abschrecken und pellen. Abkühlen lassen.
    2. Bacon in feine Streifen schneiden. Frühlingszwiebeln putzen und in feine Ringe schneiden. Gurke schälen, entkernen und fein würfeln.
    3. Bacon in einer beschichteten Pfanne kross braten. Beiseitestellen. Frühlingszwiebeln 1 bis 2 Minuten im Bratfett braten. Beiseitestellen. Kartoffeln in Scheiben schneiden und in eine Schüssel füllen. Bacon, Frühlingszwiebeln und Gurke zufügen.
    4. Gemüsebrühe mit Olivenöl, Weißweinessig, Senf, Salz, Pfeffer und Zucker verrühren. Sud über die Kartoffeln geben und vorsichtig mischen. Mindestens 30 Minuten marinieren.
    5. Öl in einer Pfanne erhitzen. Würstchen darin rundherum 5 Minuten braten. Würstchen und Senf zu dem Kartoffelsalat servieren.

11 — Die Volksspeisung

Beefsteakspieße
Volksspeisung

Hinrichtungen waren Volksfeste. Das gemeine Volk wollte dabei sein, wenn schäbige Gesellen ihre verdiente Strafe erhielten. Sie wollten sehen, wie der Bösewicht das Zeitliche segnete, und sich in der Sicherheit wiegen, dass es einen Übeltäter weniger in ihren Reihen gab. Und sie waren, wie es Volksfeste immer sind, Ventile, durch die sich die Enthaltsamkeit des Alltags, der Druck der gesellschaftlichen Normen entladen konnte. Hier natürlich sonderbar kombiniert mit dem Geruch und Rausch des Todes und der Rache, was vermutlich den besonderen Reiz der Veranstaltungen ausmachte.

Galgenfest nannte man es, es begann ein gutes Stück vor der Hinrichtung und lief noch bis spät in die Nacht. Vielleicht denken Sie da „typisch Mittelalter“, doch weit gefehlt. Die Galgenfeste erreichten im 19. Jahrhundert ihren exzessiven Höhepunkt.

Charles Dickens beschrieb das Geschehen als Fasching des Tötens und empfand den frohlockenden Pöbel als wesentlich abstoßender als die Taten der Hingerichteten. Geheul, Kreischen und Gelächter hysterischer, rachsüchtiger Massen; Ansammlungen von Dieben, Dirnen und Säufern; obszöne Gesten, ohnmächtige Frauen; blutdürstiges und viehisches Aufblicken zum Galgen. So der Dichter zum heillosen Treiben bei einer Hinrichtung.

Gewinner von Hinrichtungen waren Gastronomen, die einen höllischen Umsatz mit Nahrungsmitteln und Alkohol verbuchen konnten, sonstige fliegende Händler und natürlich umherschweifende Taschendiebe.

Bis zu 30.000 Menschen, vereinzelt wird sogar von bis zu 75.000 Personen berichtet, konnten sich bei einer Hinrichtung zusammenfinden, johlend, stoßend, schubsend und in einem harten Kampf um die beste Sicht befindlich. Manche reisten bereits Tage vorher an, um sich einen guten Platz zu ergattern. Wohlhabende Bürger mieteten teure Fensterplätze in angrenzenden Häusern.

Still war es beim Galgenfest eigentlich nur in einem Augenblick: Wenn der Verurteilte zum Hinrichtungsort geführt und das Urteil vollstreckt wurde. Trotz der riesigen Menschenmenge wird von Totenstille berichtet, die sich dann kurz nach der Hinrichtung wieder in lautem Getöse entlud.

Bei der Beschreibung dieser Szenerie kann man auch nachvollziehen, in welch misslicher Lage sich ein Henker befand. Wie wir bereits erfahren haben, forderte die Masse aus Gründen des Aberglaubens einen reibungslosen Ablauf der Hinrichtung, um eine Wiedergängerei des Delinquenten zu verhindern. In diesem zügellosen Rausch ist es nicht selten vorgekommen, dass der gaffende Pöbel einen Henker bei unfachmännischer Durchführung seiner Arbeit lynchte.

Beefsteakspieße
Beefsteakspieße
Rosmarin-Hähnchenspieße
Rosmarin-Hähnchenspieße
Gegrillte Gemüsespieße
Gegrillte Gemüsespieße

Beefsteakspieße

    • 4 Stiele Oregano
    • 1 Stiel Rosmarin
    • 4 TL Kapern
    • 1 Zwiebel
    • 400 g Beefsteakhack
    • 1 TL Senf
    • 1 TL Ketchup
    • Salz
    • Pfeffer aus der Mühle
    • 2 reife Avocado
    • 1 kleine Bioorange
    • 3 EL Crème fraîche
    • 1 TL brauner Zucker
    • 1–2 TL Wasabi
    • 1 Granatapfel
    1. Oregano und Rosmarin von den Stielen zupfen und mit den Kapern hacken. Zwiebel schälen und würfeln. Beefsteakhack mit Oregano, Kapern, Zwiebel, Senf, Ketchup, Salz und Pfeffer verkneten. Aus der Masse 8 längliche Bällchen formen und jeweils 2 hintereinander auf Spieße stecken.
    2. Avocado halbieren. Kern herauslösen. Fruchtfleisch mit einem Löffel herauslösen. Orangenschale einer halben Orange abreiben. Saft auspressen. Avocado mit ½ TL Orangenschale, Orangensaft, Crème fraîche, Zucker, Salz und Wasabi pürieren.
    3. Granatapfel halbieren und die Kerne herauslösen, dabei die weißen bitteren Trennhäute entfernen. Granatapfelkerne über den Avocado-Dip streuen.
    4. Beefsteakspieße auf dem Grill rundherum ca. 8 bis 10 Minuten grillen. Dazu den Avocado-Dip servieren.

Die weiteren Rezepte finden Sie im Buch (Info).

12 — Die Standards

Geschmorter Hase in Portweinsud
Weinsuppe

Über die Zeiten lassen sich bei Henkersmahlzeiten bestimmte Standards erkennen. Z. B. war der Kapaun, ein im Alter von etwa zwölf Wochen kastrierter und gemästeter Hahn, äußerst beliebt und wurde gerne gereicht. Einsame Spitze bildet aber der Wein in vielfältigsten Variationen, wie z. B. als Weinsuppe.

Gerade in warmem Zustand hat Wein die Eigenschaft, besonders schnell in die Blubahn überzugehen und eine ermattende Wirkung zu erzielen und im Gegensatz zu anderen Alkoholika nicht aggressiv zu machen. Dementsprechend ist die Weinsuppe hervorragend zur seligen Betäubung geeignet.

Und Betäubung war das Ziel. Eine Weinsuppe war nicht etwas, was sich der Delinquent wünschen musste, sie wurde ihm automatisch vorgesetzt, um sicherzugehen, dass er Energie verliert und einen Ausdruck der Zufriedenheit in seinem Antlitz entwickelt, wenn er zum Schafott geführt wird.

Auch auf dem letzten Weg wurde noch oft Wein gereicht. Während der Verurteilte in aller Regel auf einem Wagen saß, gingen Schinderknechte mit und reichten ihm den Trunk. Und wenn der Delinquent mal nicht wollte, nahmen sie selbst einige kräftige Schlucke zu sich. Die Darreichung des Weins vor den Augen der stierenden Öffentlichkeit war auch ein eindeutiges Signal, dass alles getan wurde, um das Hinrichtungsopfer milde zu stimmen. Auch konnten die Delinquenten im Rausch eine gewisse Fröhlichkeit entwickeln, in der sie das bevorstehende Ableben vergessen und auf die leichte Schulter nehmen konnten. Besänftigung durch Alkohol. Bereits im ersten in Deutschland überlieferten Henkersmahl wird dem Opfer zur Beruhigung Wein gereicht.

Gerade im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Wein Fürsten und Priestern vorbehalten. Das gemeine Volk hatte nie oder nur sehr selten Gelegenheit, den Traubentrunk zu kosten. Die Darreichung von Wein stellte somit auch eine besondere Gunst gegenüber dem Sünder dar.

Geschmorter Hase in Portweinsud
Geschmorter Hase in Portweinsud
Ossobuco
Ossobuco
Himbeer-Grappe-Gelee mit Portweinschaum
Himbeer-Grappe-Gelee mit Portweinschaum

Geschmorter Hase in Portweinsud

    • 350 g Schalotten
    • 1 Wildhasen oder Kaninchen (ca. 1,3 kg)
    • 4 Stiele Rosmarin
    • 4 Stiele Salbei
    • 1 Bund Thymian
    • Salz
    • Pfeffer aus der Mühle
    • 100 g Bacon
    • 350 ml Portwein
    • 600 g Pastinaken
    • 40 g Butter
    • 1 TL Zucker
    • nach Belieben 2 TL frische Thymianblättchen
    • 4 EL Wermuth (z. B. Noilly Prat)
    • 4 EL Gemüsefond
    1. Backofen auf 180 °C (Umluft 160 °C) vorheizen. Schalotten schälen und je nach Größe halbieren oder vierteln. Hasen gründlich waschen und abtupfen.
    2. Rosmarin, Salbei und Thymian von den Stielen zupfen (vom Thymian 2 TL beiseitestellen), restliche Kräuter fein schneiden. Den Hasen mit Kräutern, Salz und Pfeffer einreiben. Mit Bacon belegen und anschließend mit Schalotten in einen Bratschlauch legen. Den Bratschlauch auf ein Backblech geben.
    3. Bratschlauch an einem Ende verschließen. Portwein angießen und das andere Ende ebenfalls verschließen. Bratschlauch oben etwas einschneiden (siehe Packungsanweisung). Backblech auf die mittlere Schiene des Backofens schieben und den Hasen bei oben genannter Temperatur ca. 50 Minuten schmoren.
    4. Pastinaken schälen und je nach Größe längs vierteln oder sechsteln. Butter erhitzen. Pastinaken darin rundherum anbraten. Etwas Zucker darüber streuen und schmelzen lassen. Nach Belieben 2 TL Thymianblättchen zufügen. Mit Wermuth ablöschen und zugedeckt 10 Minuten schmoren lassen. Dazu die gebratenen Pastinaken und Sauce béarnaise servieren.

Die weiteren Rezepte finden Sie im Buch (Info).

13 — Die Verweigerung • Jesus

Myrrhewein
Jesus

Die Verurteilung zum Tode war nie ein Spaß, weder in früheren, roheren Gesellschaften noch in späteren, humanistischeren. Sie hatte immer eine bestimmte moralische Tragweite und ließ auch die Verurteilenden nicht kalt. Jemanden, aus welchem Grunde auch immer, ins Jenseits zu befördern, hatte immer einen frevelhaften Anstrich, selbst wenn die Tat im Grunde als gerechtfertigt angesehen wurde. Zu dieser ethischen Unsicherheit mischte sich noch eine aus dem Aberglauben hergeleitete Angst: Der Verurteilte könnte sich als Geist rächen. Dies ist der Ursprung und Sinn einer Henkersmahlzeit. Sie ist ein Abkommen mit dem Verurteilten, eine letzte versöhnliche Gunst, in der der Verurteilte eine letzte selbstbestimmte Entscheidung treffen und sich etwas Gutes tun kann. Und in der Annahme des letzten Bissens signalisiert der Verurteilte seine Bereitschaft zum Friedensschluss. So zieht sich die Henkersmahlzeit durch die Jahrhunderte und Kulturen. Formen der Henkersmahlzeit sind Tausende von Jahren alt und überall anzutreffen.

Selbst die geizigsten Städte und Länder ließen sich das Henkersmahl einiges kosten, nur um mit dem Verurteilten einen Pakt vor drohendem Unheil zu schließen, den Verzicht auf Rache zu beschwören und den Widerstand zu brechen. Und um das eigene Gewissen zu beruhigen. In diesem Szenario gab es eines, das es zu verhindern galt: die Verweigerung.

Die Henkersmahlzeit zu verweigern, hatte ein klares Signal: Der Verurteilte wollte keine Versöhnung. Dies evozierte Angst und hob den Verurteilten in eine moralische Überlegenheit. Das wusste auch der berühmte Menschenrechtler und Meister des Effekts, Jesus Christus. Den bei Kreuzigungen damals üblichen Myrrhewein schlug er aus. Warum? Weil die Annahme einem Schuldeingeständnis gleichkam, die Verweigerung das Unrecht der Hinrichtung unterstrich.

Verweigerungen einer Henkersmahlzeit haben stets für Unruhe unter den ausführenden Organen gesorgt, ob es sich nun um Jan Hus, den Reformer und Märtyrer, oder um Serienmörder handelte. Hektische Versuche, den Verurteilten umzustimmen, Nervösität und Ratlosigkeit machten sich breit. Der reibungslose Ablauf der Hinrichtung war in Gefahr und der Protest ließ Zweifel an der Richtigkeit des Urteils aufkommen.

Myrrhewein

Myrrhewein

    • 1 Flasche Weißwein (0,7 l)
    • etwas Myrrhe (gibt es z. B. im Internet zu bestellen)
    • 1 Biozitrone
    • 1 Vanilleschote
    • 1 Zimtstange
    • ca. 6 EL Zucker
    1. Weißwein in einen Topf gießen. Myrrhe im Mörser sehr fein zerstoßen. Zitrone waschen und die Schale sehr dünn abschälen. Vanilleschote längs aufschlitzen. Mark herauskratzen. 1 Messerspitze zerstoßene Myrrhe, Vanillemark, Schote, Zimtstange und Zucker zum Wein geben und erhitzen, nicht kochen. Weinpunsch 5 Minuten ziehen lassen.
    2. Punsch durch ein feines Sieb gießen, evtl. noch mit etwas Zucker abschmecken und gleich servieren.

Informationen zum Projekt

Den letzten Bissen haben wir bereits im Jahr 2008 entwickelt. Anlass war ein Auftrag der hannoverschen Gutenberg Beuys Feindruckerei, ihren Kalender für das Jahr 2009 zu erstellen. Es wurde aber mehr als das: Zu jedem Monatsersten des Jahres 2009 wurde auf der Internetseite der Druckerei die Geschichte zum jeweiligen Blatt des großformatigen Kalenders veröffentlicht. Nach Ablauf des Jahres erhielten die Empfänger des Kalenders ein Buch, in dem zuzüglich zu den Geschichten auch noch Rezepte enthalten waren. Ein hübscher Kreislauf zwischen analogen und digitalen Medien. Das Buch haben wir dann zusätzlich noch als Buchhandelsversion herausgegeben.

Nun ist das Jahr 2009 lange her und die Inhalte und Verkaufszahlen fristen ein Schattendasein in Schubladen und auf Festplatten. Daher haben wir das Projekt hier zugänglich gemacht und hoffen, dass Sie Freude daran finden. Natürlich können Sie das Buch auch gerne in gedruckter Form kaufen.

Der letzte Bissen – 13 Aspekte der Henkers­mahlzeit garniert mit schmack­haften Rezepten

Der letzte Bissen – 13 Aspekte der Henkers­mahlzeit garniert mit schmack­haften Rezepten

Gebundene Ausgabe, 128 Seiten
Deutsch, Mai 2009
28,4 x 17,6 x 1,6 cm

Recherche: Jone
Konzeption: Gärtner, Hoffmann, Jone
Inszenierung, Bildregie: Gärtner, Hoffmann, Jone
Kamera: Hoffmann
Text: Gärtner

Kostüme: Jone
Requisiten: Jone, Hardy Meinhard
Maske: Saskia Neumann

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Gärtner • Hoffmann • Jone

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Rainer Gärtner ist Geschäftsführer der Werbeagentur Brigade Eins in Hannover, hat in Braunschweig Freie Kunst studiert und ist Träger verschiedener nationaler und internationaler Designpreise. Neben seiner Freude an gutem Essen in geselliger Gesellschaft hat er einige Kochbücher entwickelt und herausgegeben.

Matthias Hoffmann gehört zur Oberliga der deutschen Foodfotografen, betreibt ein Studio in Delmenhorst und arbeitet bundesweit für viele Lebensmittelmarken und Kochbuchverlage.

Dipl.-Des. Katarzyna Jone ist Geschäftsführerin der Werbeagentur Brigade Eins in Hannover, hat in Braunschweig Grafik Design studiert und mehrere Bücher, darunter auch Kochbücher, veröffentlicht.

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